Fächerwahl im Wandel der Zeit

Mehr Stoff, aber auch mehr Auswahl

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  • Studium

Der Vergleich von Stundenplänen aus den Jahren 1939, 1971, 1994 und 2018 zeigt: Der Studiengang Agrarwissenschaften ist in ständiger Weiterentwicklung. Blieben die Grundfächer auch über die Jahre gleich, so gibt es heute deutlich mehr Wahlmöglichkeiten als früher.

Zu Beginn der Landwirtschaftlichen Schule 1871 dauerte die Ausbildung gerade einmal zwei Jahre. Dabei war das Fächerangebot gar nicht so bescheiden. Die ersten drei Professuren unterrichteten nicht nur Betriebslehre, Tierzucht, und Acker- und Pflanzenbau, sondern auch Agrikulturchemie und landwirtschaftliche Technologie.

Mehr Semester

Schon 1875 wurde der Studienplan durch ein fünfsemestriges Programm ersetzt. Im Laufe der Zeit wurde das Programm um ein Semester verlängert, bis es schliesslich 1932 auf sieben Semester anwuchs. Zu dieser Zeit gab es neben dem allgemeinen Studium der Landwirtschaft nur die Fachrichtung Molkereitechniker. Mehr als ein Vierteljahrhundert später, 1958, wurde die Semesterzahl auf acht heraufgesetzt. 1971 wurde die Studiumsdauer schliesslich ein letztes Mal auf zehn Semester erhöht.

1. Jahr aus dem Studium der Agrarwissenschaften, 1925.
(aus: Die Abteilung für Landwirtschaft an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich von Professor Dr. M. Düggeli, Brugg, Buchdruckerei Effingerhof A.G. 1925)

Mehr Fächer, mehr Fachrichtungen

Schaut man sich heute den Stundenplan von 1939 an, fällt auf, dass deutlich weniger Fächer darin enthalten sind. Nichtsdestotrotz umfasst der Unterricht die grundlegenden naturwissenschaftlichen Fächer (Mathematik, Physik, Biologie und Chemie), sowie Pflanzenschutz/Ökologie, Wirtschaft und Recht, Agrartechnologie und Tierproduktion. Alle diese Fächer wurden über die Jahre beibehalten und werden auch heute noch an der ETH gelehrt, teilweise haben sich ihre Bezeichnungen geändert. 

1946 kam als neue Fachrichtung Agrartechnologie zum Molkereitechniker zum Studienprogramm hinzu. Agrarbiotechnologie und Agrarökologie wurden als Fachrichtungen erst 1994 eingeführt.

Ab 1971 wurde die Grundausbildung um einige neue Fächer erweitert: Informatik und Politik, sowie Exkursionen, Seminare und Vorlesungen zu Tropen/Welt. Obwohl das Grundstudium mehr oder weniger ähnlich aussah wie 1939, kamen im Laufe der Zeit mehr Wahlfächer hinzu. Das Studium wurde also flexibler und passte sich nun besser an die Interessen der einzelnen Studierenden an.

Breitere Ausbildung

Im 21. Jahrhundert wurde das Studium im Zuge des Bologna-Reformprozesses umgestaltet. 2016 trat die vorerst letzte Studienreform AGROfutur in Kraft. Auf der Bachelor-Stufe ist das Ziel der breite Wissenserwerb in verschiedenen agrarwissenschaftlichen Disziplinen, wie es in der Wegleitung heisst. Auf der Master-Stufe wird ein vertieftes agrarwissenschaftliches Fachwissen erworben.

Das Studium der Agrarwissenschaften präsentiert sich heute umfangreicher als früher. Da die Ansprüche an Agrarwissenschaftler*innen vielfältig und in stetigem Wandel sind, wird es wohl auch in Zukunft weitere Studienreformen geben.